Presse


Rotenburger Kreiszeitung vom 17.07.09

Banken häufig zu restriktiv

... bei der Zusage von Krediten / Mittelständler fordern Politik zum Handeln auf

KREIS ROTENBURG / SOTTRUM (sf) Die Abwrackprämie hilft auch der Glasindustrie – Reinhard Grindel MdB machte auf der Suche nach den lokalen Segnungen der Berliner Konjunkturpakete am Mittwoch Station in Sottrum. Im Rahmen seiner Sommertour stattete er der Firma Glasvertrieb G&J an der Edisonstraße einen Besuch ab. Firmeninhaber Jens-Uwe Geschonke begrüßte neben Grindel auch Gemeindebürgermeister Hans-Jürgen Krahn, den Kreistagsabgeordneten und CDU- Samtgemeindeverbandsvorsitzenden Hans-Hermann Engelken, die Ortsverbandsvorsitzende Andrea Kaiser und Altbürgermeister Franz Brettmann zu Betriebsrundgang und anschließender Aussprache. Jens-Uwe Geschonke berichtete, dass die Hälfte der europäischen Glasproduktion in der Vergangenheit in Automobilen eingebaut wurde. Die Wirtschaftskrise lasse den Absatz stocken, die Abwrackprämie mitsamt Neuverkauf nehme ein wenig den Druck.

30 Mitarbeiter beschäftigt Jens-Uwe Geschonke an der Edisonstraße in Sottrum, darunter sieben Auszubildende, berichtete der geschäftsführende Gesellschafter, der sich vor 15 Jahren selbständig machte und in diesem Jahr die Produktion von Reeßum ins Gewerbegebiet West nach Sottrum verlegte. Gemeindebürgermeister Hans-Jürgen Krahn betonte, für den Gewerbestandort Sottrum sei die Verlagerung „eine wichtige Entscheidung“ gewesen, zumal man plane das Gewerbegebiet über die Autobahn1 hinweg um weitere 70 Hektar zu erweitern. Allerdings müsse die Anbindung in Form einer neuen Brücke noch gebaut werden.
Die Abschaffung der Eigenheimzulage habe zu deutlichen Umsatzeinbußen bei der Glasindustrie geführt, bedauerte der Sottrumer Mittelständler im Gespräch. In der Folge ging der Anteil privater Bauherren am Umsatz deutlich zurück. Den Hinweis Reinhard Grindels auf steuerliche Entlastungen der Familien ließ Jens-Uwe Geschonke in dem Zusammenhang nicht gelten. Die Eigenheimzulage sei wesentlicher Bestandteil so mancher Baufinanzierung gewesen, Steuerentlastungen gingen hingegen im privaten Konsum auf.
Erfreulich: „Der Binnenmarkt bricht nicht ein“, war man sich einig, die Konjunkturpakete fruchten. Insbesondere der Neubau aber auch die allenthalben in Landkreis und Gemeinden auf die Schienen gesetzten energetischen Gebäudesanierungen verlangen nach dem Werkstoff Glas. Auch wenn die Aufträge häufig nicht die ganz großen Summen erreichen, auch der Glasvertrieb in Sottrum profitiert von der Konjunkturankurbelung. Zurzeit, so Jens-Uwe Geschonke, statte man mehrere Schulen mit Isolierglas aus, darunter auch das Gymnasium in Sottrum, wo für den Betrieb der Oberstufe nach den Sommerferien kräftig ausgebaut wird. Grundsätzlich werde in den Schulen Sicherheitsglas nachgefragt, so Geschonke, und da sei man mit der „neuesten Errungenschaft“ gut aufgestellt. In einer großen, abgeschirmten Maschine wird, den Blicken entzogen, aus normalem Glas Einscheibensicherheitsglas. Die Stabilität erhält das Glas durch Erhitzen bis nahe an den Schmelzpunkt und anschließendes Abschrecken durch kalte Luft. Etwa die Hälfte des Umsatzes realisiere der Sottrumer Betrieb mittlerweile durch das Einscheibensicherheitsglas, hieß es. Und gerade in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Unternehmen komme der Werkstoff zum Einsatz. Am Rande: Das Verfahren verlangt nach viel elektrischer Energie, G&J gehört zu den größten Abnehmern in der Gemeinde.
Auch wenn man sich im Moment in Sottrum gut gerüstet sieht, Sorgen bereitet den Machern sehr wohl die Zeit nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete, zu denen es nach Ansicht von Grindel – obwohl Schulden finanziert – keine Alternative gab. Prognosen, die auf ein Ende der Talfahrt hinweisen, könne man seriös nicht geben. Grindel: „In einer solchen Krise müsse wir auf Sicht fahren.“ Ärgerlich für den Mittelstand: Die aufgelegten Kreditprogramme kommen bei den Betrieben häufig nicht an. Reinhard Grindel äußerte Kritik an der fehlenden Risikobereitschaft vielen Banken und Sparkassen. Die KfW bürge für 90 Prozent des ausgeliehenen Geldes, er habe wenig Verständnis dafür, wenn sich Banker trotzdem dem Kreditersuchen mittelständischer Betriebe widersetzten. In dem Zusammenhang regte der Bundestagsabgeordnete an, über den Verwaltungsrat der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde Einfluss im Sinne der heimischen Wirtschaft zu nehmen. Das sei zwar bereits Thema in der Unionskreistagsfraktion gewesen, bekräftigte Hans-Hermann Engelken, doch die Zuständigkeiten seien klar verteilt, ins operative Geschäft sollte sich die Politik nicht einmischen und der Kreditausschuss werde kaum bemüht. In dem Zusammenhang kritisierte Hans-Jürgen Krahn, dass die sog. Istbesteuerung den Betrieben weiterhin kräftig zu schaffen mache. Danach wird die Mehrwertsteuer bereits bei Rechnungslegung fällig und nicht erst, wenn der Kunde bezahlt hat. Die Verdoppelung der Umsatzhöhe für davon ausgenommene Kleinbetriebe auf 500000 Euro komme häufig nicht an, weil das Finanzamt die Umsätze des Vorjahres zugrunde lege. Krahn forderte Grindel auf, sich für Nachbesserungen stark zu machen.


Das Einscheibensicherheitsglas made in Sottrum hält auch (politischen) Schwergewichten stand.
Glasvertriebsinhaber Jens-Uwe Geschonke (v.r.) demonstriert seinen Gästen Andrea Kaiser, Reinhard Grindel MdB, Hans-Hermann Engelken und Hans-Jürgen Krahn eindrucksvoll die Belastbarkeit des Baustoffs.Franke

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