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t-online - Interview 06.08.2026

Ex-DFB-Chef über Infantino-Affäre - "Das ist alles albern"

Geht es nach dem Ex-DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, wird Gianni Infantino nicht noch einmal zur Wahl als Fifa-Präsident antreten. Er fordert das wichtigste Fifa-Gremium zum Handeln auf und weitere personelle Konsequenzen.

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Reinhard Grindel im Gespräch
Kreiszeitung 09.06.2026

Ex-DFB-Präsident Grindel: Scharfe Kritik an Infantino und Trump

Reinhard Grindel spricht vor dem WM-Start über Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino. Der frühere DFB-Präsident sieht Deutschland nur als Außenseiter.

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Ex-DFB-Chef über Infantino-Affäre - "Das ist alles albern"

Geht es nach dem Ex-DFB-Präsidenten Reinhard Grindel, wird Gianni Infantino nicht noch einmal zur Wahl als Fifa-Präsident antreten. Er fordert das wichtigste Fifa-Gremium zum Handeln auf und weitere personelle Konsequenzen.

Nach einer Krisensitzung in Marokkos Hauptstadt Rabat bleibt Fifa-Präsident Gianni Infantino im Amt. In einer öffentlichen Erklärung verschwendete er keinerlei Gedanken an einen Rücktritt, sondern ging zum Gegenangriff über.

Für Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel ist das "alles albern", wie er im Interview mit t-online erklärt. Überraschend kommt das für den 64-Jährigen aber nicht.

Herr Grindel, Gianni Infantinos engste Mitarbeiter haben dem unter Druck stehenden Fifa-Präsidenten volle Rückendeckung gegeben. Muss er jetzt nicht mehr um seinen Job fürchten?

Reinhard Grindel: Das ist alles albern. Es war wieder ein typischer Schachzug von Infantino. Er bauscht eine Mitarbeitersitzung zur Krisensitzung auf, die völlig ohne sportpolitische Bedeutung ist. Jetzt tut er so, als habe er den Rückhalt in der Fifa, weil ein paar von ihm handverlesene Leute doch keine Revolution machen. Entscheidend ist aber der Fifa-Council. Und für den hat er keine Krisensitzung einberufen. Die wäre aber wichtig, um zu erfahren, wie es dort mit dem Rückhalt aussieht. Denn darauf kommt es an.

Auch Generalsekretär Matthias Grafström hat Infantino seine Unterstützung ausgesprochen. Noch einige Tage zuvor hatte er dessen Pläne, 20 bis 30 Prozent der Fußball-WM an Investoren zu verkaufen, als eine "Reihe trauriger und tadelnswerter Ereignisse" bezeichnet und will von ihnen nichts gewusst haben.

Ich war ohnehin überrascht, dass Herr Grafström sich derart kritisch geäußert hatte. Der Generalsekretär ist in all den Jahren nicht nur ein enger, sondern treuer Weggefährte Gianni Infantinos gewesen. Herr Grafström hat in seiner Zeit als Infantinos Büroleiter immer kleine Vermerke für ihn angefertigt, wenn ich mich mit anderen Council-Mitgliedern oder Kontinentalverbandspräsidenten getroffen habe. Er hat sich stets sehr fürsorglich um Herrn Infantino gekümmert.

Reinhard Grindel, geboren 1961, war vom 15. April 2016 bis zum 2. April 2019 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). In dieser Funktion war Grindel auch Mitglied des Fifa-Councils. Mittlerweile ist er wieder als Kommunalpolitiker für die CDU aktiv.

Es gab sogar Gerüchte, dass er ihn als Fifa-Präsident ablösen will.

Eine Kandidatur von Grafström halte ich für ausgeschlossen. Nicht nur weil er heute Nacht in Rabat ersichtlich beigedreht ist, sondern weil das alter Wein in neuen Schläuchen wäre.

Sie haben keine gute Meinung von Matthias Grafström?

Bei Herrn Grafström erwarte ich nicht, dass er irgendetwas tut, was den ethischen Regeln des Fußballs entspricht.

Gilt das auch für Kevin Lamour? Der Fifa-Betriebsdirektor hatte Infantino als Erster vorgeworfen, die Mitarbeiter hintergangen zu haben.

Kevin Lamour hat früher an der Seite von Uefa-Präsident Aleksander Čeferin gearbeitet und sich dann auf die Seite von Gianni Infantino geschlagen. Dass er Kritik übt, ist wahrscheinlich eher von der Hoffnung geprägt, in der Fifa überleben zu können, wenn Infantino nicht mehr Präsident ist.

Was unterscheidet Lamour von Grafström?

Von Kevin Lamour habe ich in der gemeinsamen Zeit bei der Uefa den Eindruck gewonnen, dass es ihm um eine gute und ethikbasierte Entwicklung des Fußballs geht. Daher hoffe ich, dass er dazu beiträgt, dass die Fifa sich wieder mehr an den eigenen Statuten orientiert.

Bröckelt also die Macht des Gianni Infantino?

Es ist zweifelsohne so, dass ein angeschlagener Infantino den ein oder anderen mutig macht, der vielleicht auch schon über die Tage von Infantino hinausdenkt.

Ich war immer stolz darauf, dass ich ein kritisches Verhältnis zu Infantino hatte.

Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel

Für einen Sturz Infantinos gibt es nur zwei Optionen: Entweder wird er beim Fifa-Kongress im März 2027 abgewählt oder 19 der 37 Mitglieder des Fifa-Councils berufen schon früher eine Krisensitzung ein und fordern ihn zum Rücktritt auf.

Der Fifa-Council ist das Gremium, in dem jetzt Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Statuten der Fifa müssen wieder gelten. Dort muss alles rund um die beabsichtigte Gründung der Tochtergesellschaft und mögliche wirtschaftliche Verabredungen aufgearbeitet werden. Außerdem muss deutlich werden, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Infantino und den großen Kontinentalverbänden derart gelitten hat, dass man sich nicht vorstellen kann, wie eine Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll.

Was macht Sie optimistisch, dass das gelingen kann?

Ich weiß, dass Aleksander Čeferin im Council ein hohes Ansehen genießt. Auch andere Kontinentalpräsidenten wie Victor Montagliani vom nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußballverband (Concacaf) und Scheich Salman vom asiatischen haben eine kritische Distanz zu Infantino. Sie müssen jetzt einen Weg vorgeben, dass in der Fifa wieder die Rechtsstaatlichkeit gilt und nicht die Gesetze des Gianni Infantino.

Wird Infantino nach dem Fifa-Kongress am 18. März 2027 also noch Präsident sein?

Die entscheidende Frage ist, ob ein in mindestens drei Kontinentalverbänden überzeugender Kandidat gegen ihn antritt. Man braucht eine personelle Alternative, die vor allen Dingen den nationalen Verbänden die Furcht davor nehmen muss, dass sie die finanzielle Unterstützung seitens der Fifa verlieren.

Also geht es doch wieder ums Geld.

Ja, daran muss man denken. Für 75 Prozent der Mitgliedsverbände der Fifa sind die Geldleistungen aus Zürich der ganz entscheidende Bestandteil ihrer Haushalte. Sie haben keine Fernsehgelder, generieren wenige Einnahmen durch Sponsoren und haben kein Ticketing wie die großen europäischen Fußballnationen. Ihnen müssen zwei Dinge klargemacht werden: Dass sie nichts verlieren werden. Und dass die Fifa nur dann stabil und auch in der Wirtschaftswelt bei Sponsoren anerkannt bleibt, wenn es einen personellen Wechsel gibt.

Was ist, wenn kein geeigneter Gegenkandidat gefunden wird?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gianni Infantino ohne Gegenkandidaten bleibt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er überhaupt bei der nächsten Wahl antritt. Insofern möchte ich nicht darüber spekulieren, was nach dem März 2027 sein wird. Was in den letzten Wochen und Monaten für alle erkennbar war, verheißt keine gute Zukunft für die Fifa. Dabei geht es aber nicht nur um die Frage des neuen Präsidenten.

Wie meinen Sie das?

Um für eine Machtbegrenzung in der Fifa zu sorgen, braucht es auch einen neuen Generalsekretär. Die Kontinentalverbände sollten daran arbeiten, dass durch ein neues Führungsduo mehrere Kontinente vertreten werden und beide das feste Ziel haben, die Fifa in eine bessere Zukunft zu führen. Damit würde der Reformprozess im Verband dann auf mehrere Schultern verteilt.

Wie stehen Sie zum Vorschlag, die Amtszeit auf einmalig vier Jahre zu begrenzen oder jährlich zu wechseln?

Das würde ich nicht für richtig halten. Bei einer so großen Organisation wie der Fifa mit 211 Mitgliedsverbänden braucht es eine gewisse Einarbeitungszeit. Sie sehen bei Aleksander Čeferin und seinem erfolgreichen Kampf gegen die Super League, dass viel Erfahrung und eine langjährig gewachsene Zahl von Vertrauten im europäischen Fußball einem die Stärke geben, einen wertebasierten Sport auch durchsetzen zu können. Gleichzeitig muss der Fifa-Council aber auch bereit sein, die Macht des Präsidenten einzugrenzen, und die Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen werden.

Der Fifa-Council hätte auch bei der Vergabe des Fifa-Friedenspreises an US-Präsident Donald Trump einschreiten können.

Das stimmt. Spätestens nach der skandalösen Entscheidung hätte der Council das Selbstbewusstsein entwickeln müssen, dass Herr Infantino nicht immer aus eigener Machtvollkommenheit handeln darf. Man hätte Infantino schon viel früher in die Schranken weisen und auf die Gültigkeit der Fifa-Statuten hinweisen müssen. In meiner Zeit haben wir über alle sportpolitischen und verbandsrelevanten Fragen auch kontrovers diskutiert.

Warum ist das jetzt nicht mehr der Fall?

Es wurde viel geschwiegen und erst als es ums Geld ging, haben einige ihre Stimme erhoben. Es wäre besser gewesen, Herrn Infantino schon früher bei sportpolitischen Entscheidungen zu widersprechen. Immerhin ist das nun bei der Gründung der Tochtergesellschaft geschehen.

Woher kommt das mangelnde Selbstbewusstsein des Councils?

Infantino ist sehr geschickt darin, Abhängigkeiten zu schaffen. Er hat einzelnen Mitgliedern des Councils besondere Unterstützung zukommen lassen, sodass diese bereit waren, bestimmte Entwicklungen in der Vergangenheit mitzumachen, die mit den Fifa-Statuten nicht in Einklang standen. Aber Infantino hat unterschätzt, dass in dem Moment, da es um Rechte der einzelnen Kontinentalverbände und nicht zuletzt ums Geld geht, mit Widerspruch gerechnet werden muss.

Auch Ihr Nachfolger als DFB-Präsident, Bernd Neuendorf, ist Teil des Councils. Muss der DFB in der Causa Infantino noch lauter werden?

Ich will meinen Nachfolger nicht bewerten. Ich will auch nicht bewerten, welchen Mut plötzlich Andreas Rettig entwickelt, nachdem klar ist, dass er als Geschäftsführer beim DFB aufhört.

Rettig sprach im Interview mit dem "Stern" von einem "irreparablen Vertrauensverlust" und hält Infantino für nicht mehr tragbar.

Genau. Aber darum geht es mir nicht. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass unmittelbar nach meinem Rücktritt im April 2019 die DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball Gianni Infantino zum DFB-Pokalfinale eingeladen haben, um wörtlich "das Porzellan zu kitten", das ich zerschlagen hätte. Ich kann nur sagen, ich war immer stolz darauf, dass ich ein kritisches Verhältnis zu Infantino hatte. Und ich kann keinen Grund erkennen, weshalb Herr Neuendorf das nicht auch haben sollte.

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Begehrte Sammlerstücke: Die Trikots von Bayern München, dem Hamburger SV, Werder Bremen und Manuel Neuer, präsentiert von (v.l.) Richard Steckhan, Reinhard Grindel, Peter Grewe und Jörg Niepel, werden ab sofort versteigert. Freese

RSV versteigert signierte Trikots von Bayern, Werder, HSV und Manuel Neuer

Der Rotenburger SV versteigert vier Trikots mit Unterschriften von Bayern München, dem HSV, Werder und Manuel Neuer. Gebote können bis 19. August abgegeben werden.

Rotenburg – Für Sammler sind es wahre Schätze. Der Rotenburger SV versteigert ab sofort jeweils ein Trikot von Bayern München, dem Hamburger SV, Werder Bremen und ein Jersey von Manuel Neuer, versehen mit den Originalunterschriften der Mannschaften beziehungsweise des Nationaltorhüters. Das hierbei eingenommene Geld fließt komplett in die Jugendabteilung des Vereins. Angebote können bis Mittwoch, 19. August (20 Uhr), per E-Mail an den Verein unter der Adresse geschaeftsfuehrer@rotenburgersv.de abgegeben werden. Das „Finale“ steigt dann am 21. August bei der Eröffnung des neuen Kunstrasens. Das Mindestgebot pro Trikot beträgt 150 Euro.

Nicht untätig war auch Reinhard Grindel. Der frühere DFB-Präsident, ebenfalls RSV-Mitglied, konnte mit einem von der Mannschaft handsignierten Trikot des Hamburger SV aufwarten. „Ich habe es direkt aus dem Vorstandsbüro des HSV“, erzählt er und ergänzt schmunzelnd: „Für jeden Ersteigerer wird es eine schöne Arbeit sein, herauszufinden, welche Unterschrift zu welchem Spieler gehört.“ Das wiederum ist beim Trikot von Manuel Neuer leichter ...

Auch ein Trikot des SV Werder Bremen darf nicht fehlen, dachten sich die Organisatoren der Aktion. Dieses inklusive der Unterschriften organisierte wiederum der Rotenburger Unternehmer Norbert Behrens, wie Grewe berichtet. Grindel verdeutlicht: „Alle drei Vereine, die wir um Unterstützung gebeten haben und die ja auch alle in gewisser Weise einen Bezug zu unserem Verein haben, waren sofort bereit, etwas zu machen.“

Zum Prozedere: Ab sofort und bis zum 19. August (20 Uhr) kann für jedes Trikot ein Gebot per E-Mail an geschaeftsfuehrer@rotenburgersv.de abgegeben werden. Der RSV wird die Zwischenstände regelmäßig über seine offiziellen Social-Media-Kanäle veröffentlichen, um das Bieterrennen spannend zu halten. Der jeweils Höchstbietende wird vom Verein informiert, kann sich des Zuschlags aber noch nicht sicher sein, denn am Freitag, 21. August, kann während der Eröffnung des Kunstrasenplatzes noch weitergeboten werden. Dort fällt auch der „Hammer“, anschließend werden an diesem Abend auch die Trikots übergeben. Wie Steckhan betont, fließt der gesamte Erlös der Aktion „ohne Abzüge in die Kasse der RSV-Jugendabteilung. Damit sollen die Ausbildung der Nachwuchskicker sowie die Anschaffung neuer Trainingsmaterialien gefördert werden.“

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Reinhard Grindel im Gespräch

Ex-DFB-Präsident Grindel: Scharfe Kritik an Infantino und Trump

Reinhard Grindel spricht vor dem WM-Start über Donald Trump und Fifa-Chef Gianni Infantino. Der frühere DFB-Präsident sieht Deutschland nur als Außenseiter.

Rotenburg – Es gibt Käse, Erdbeer- und Apfelkuchen, die Auswahl ist groß. Am Horizont grollt es, das ist aber Zufall, die Stimmung ist gut, auch wenn es bei Reinhard Grindel heißt, man habe eigentlich nie wieder Journalisten ins Haus lassen wollen. Nun aber sitzt Deutschlands ehemals höchster Fußballfunktionär mit dem Lokalreporter zusammen und spricht über, na klar: Fußball. Die Weltmeisterschaft steht an, der Sport soll das Thema sein, um Politik kommt man nicht drumherum, wenn auch die USA Austragungsort sind. „Ich freue mich, viele Spiele sehen zu können“, sagt der 64-Jährige, und schiebt umgehend nach: „Ich freue mich nicht auf die politischen Implikationen.“

Grindel will in den Stadtrat und Kreistag

Grindel hat aufgeräumt, nicht nur im Wintergarten für den Reporterbesuch, sondern auch mit alten Themen und Fragen zu eigenen Ambitionen. „Alle Vorwürfe sind von Gerichten ausgeräumt“, betont er mehrfach. Tatsächlich sind auch die letzten Vorwürfe im Steuerhinterziehungsverfahren gegen Grindel und andere ehemalige DFB-Funktionäre ausgeräumt; Grindel hatte schon vor Jahren gegen eine Geldauflage von 80.000 Euro eine Einstellung des Verfahrens gegen ihn erwirkt. Knapp drei Jahre bis April 2019 war Grindel nach seiner Zeit als CDU-Bundestagsabgeordneter Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), mittlerweile arbeitet er als Unternehmensberater. Der gebürtige Hamburger ist in Rotenburg mit seiner Familie heimisch geworden und hat die Absicht, sich nach der Kommunalwahl auch wieder politisch zu engagieren, vor Ort in Stadtrat und Kreistag. Größere Ambitionen, zurück nach Berlin in die Politik zu gehen, hegt er nicht mehr.

Ich mache mir Sorgen, dass Trump mit seinem Kumpel Infantino die WM zur Selbstdarstellung missbraucht.

Reinhard Grindel

Spricht er über Fußball, hat sich eine gewisse Distanz eingestellt. Er ist Fan, eindeutig, aber Kontakte zur Mannschaft pflegt er nicht mehr. Dort kennt er zwar noch ein paar Funktionäre, aber vor allem auch die, die mit der „Intrige“ zu tun gehabt hätten, die ihn damals zu Fall gebracht habe. Alte Bekannte oder gar die Spieler selbst? „Die haben genug zu tun. Ich rufe da nicht an.“ Er werde, wenn an diesem Donnerstag die Spiele der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada beginnen, diese „wie jeder normale Fußballfan auch“ am Fernseher verfolgen: zu Hause, mit Freunden, sicherlich auch mal beim Public Viewing im neuen Rotenburger Sportlerheim oder später mit der Familie im geplanten Sommerurlaub. In die USA zu reisen und dort Spiele zu schauen, wie zuletzt noch auf manch anderer Ehrentribüne bei großen Spielen oder Turnieren? „Das ist in den USA nicht möglich.“ Auch „angesichts der horrenden und völlig ungerechtfertigten Eintrittspreise“ komme es nicht in Betracht, live vor Ort zu sein.

Das Problem ist der Fifa-Boss

Spricht man mit Grindel über diese WM, verfällt er immer wieder in „Ja, aber“-Formulierungen. Anders als zuletzt in Katar müsse man die Mannschaft „von politischen Implikationen fernhalten“, betont er. Stichwort: Kapitänsbindendiskussion. „Das Problem sind nicht die Spieler, das Problem ist Gianni Infantino.“ Der umstrittene Präsident des Weltfußballverbandes Fifa zählt nicht zu den besten Freunden Grindels, gelinde gesagt, auch wenn beide zu ihrer gemeinsamen Zeit bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) gut miteinander ausgekommen seien. Infantino aber habe sich stark gewandelt und sich mit dieser WM „in peinlicher Weise“ an US-Präsident Donald Trump herangeschmissen. Das Einzige, worum es bei dieser WM gehe, sei ein „optimaler Gewinn“, und dafür mache Infantino schlichtweg „alles“. Es gehe ihm um seinen Machterhalt. Dazu gehöre, dass die Vergabe der Weltmeisterschaft 2030 an sechs Länder auf drei Kontinenten ein „Taschenspielertrick“ sei, „um für Saudi-Arabien 2034 den Weg freizumachen“. Trump und Infantino bildeten jetzt eine „unsägliche Kombination“, Kritik daran gebe es in der Fifa oder beim DFB kaum. Das sei bedenklich. Er hätte diese geäußert, würde er noch mitwirken. Grindel: „Ich mache mir Sorgen, dass Trump mit seinem Kumpel Infantino die WM zur Selbstdarstellung missbraucht.“

Trotz alledem: „Natürlich dürfen wir uns auf die WM freuen“, sagt der ehemalige Fußballchef. „Viel Fußball gucken ist immer schön.“ Die Chancen der Deutschen schätzt er indes als überschaubar ein. Die Vorrunde gegen Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador sei noch machbar, vielleicht steigere man sich da von Spiel zu Spiel wie im Titeljahr 2014, baue einen echten Teamgeist auf, das sei eine Chance. „Es kann sich langsam eine Mannschaft finden.“ Klar sei aber auch: „Die Weltrangliste lügt nicht.“ Deutschland steht dort auf Platz 10. „Die spielerische und individuelle Qualität ist bei anderen höher“, so Grindel. Frankreich, Spanien, Argentinien oder auch England – das seien die Favoriten. Sein Weltmeistertipp: die Franzosen.

Fußball und Politik, Grindels große Konstanten, sie verschmelzen in diesen Tagen. Wobei er als jetzt „ganz normaler Fußballfan“ lieber mehr Euphorie spüren würde. „Jeder merkt es, die Stimmung ist nicht wie im Vorfeld anderer Weltmeisterschaften.“ Die Menschen hätten eine gewisse Distanz, nicht nur aus räumlicher Sicht hinüber nach Amerika. Das habe er persönlich 2014 in Brasilien anders erlebt. Damals war er DFB-Schatzmeister und selbst vor Ort. Nun sitzt er daheim und isst Kuchen mit Lokalreportern. So ist das Spiel.

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